
Am 3. September 2026 hat die Vereinigung der Zivilinvaliden (ANMIC Südtirol) den „Ottone-Nigro-Preis“ an drei Personen verliehen, die sich Tag für Tag mit großem persönlichem Einsatz um ihre Angehörigen mit Zivilinvalidität und Behinderung kümmern. Ausgezeichnet wurden Sonja Maria Pescosta, Enzo Mosconi und Klara Sofia Katona.
„Der Ottone-Nigro-Preis wird jedes Jahr an drei Preisträger verliehen, die vorbildliche Leistungen in den Bereichen Betreuung, Sensibilisierung und Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderung und Zivilinvaliden in Südtirol erbringen und so zu einem nachhaltigen sozialen Wandel beitragen“, erklärt Thomas Aichner, Präsident der ANMIC Südtirol. „Als größte Interessensvertretung der Südtiroler Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung ist es unser Ziel, Vorbilder hervorzuheben, die auch andere zum sozialen Engagement anspornen. So wollen wir auch in diesem Jahr drei Personen würdigen, die mit ihrem täglichen Engagement konkret dazu beitragen, eine gerechtere, inklusivere und barrierefreiere Gesellschaft aufzubauen.“
Trotz der kontinuierlichen Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit von Vereinen und zuständigen Ämtern bleibt das Thema Behinderung für Betroffene und ihre Angehörigen nach wie vor ein Tabu. Für viele Zivilinvaliden und ihre Familien ist dies ein heikles Thema, das in vielen Fällen nicht öffentlich gemacht wird. So bestehen nach wie vor gesellschaftliche Vorurteile, weshalb manche Betroffene befürchten, weniger Chancen zu haben oder anders behandelt zu werden, sobald sie ihre Behinderung offenlegen.
Gerade deshalb setzt sich die ANMIC Südtirol dafür ein, die Gesellschaft für die Themen Zivilinvalidität und Behinderung zu sensibilisieren. Vor allem aber sollen Betroffene ermutigt werden, sich nicht für ihre Situation zu schämen und klar die Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken, damit sie ein würdevolles Leben leben können.
Am 3. September wurde der Ottone-Nigro-Preis bereits zum sechsten Mal verliehen. Ausgezeichnet wurden die drei Preisträger für ihr tägliches Engagement und die Unterstützung, die sie ihren Angehörigen mit einer anerkannten Zivilinvalidität zukommen lassen, wobei stets die Bedürfnisse der betroffenen Person im Mittelpunkt stehen. „Wir haben uns entschieden, den diesjährigen Preis drei Personen stellvertretend für die tausenden Pflegenden zu widmen, die sich im Alltag um ihre Angehörigen kümmern, seien es Kinder, Eltern, Ehepartner, Geschwister oder Freunde. Damit soll diese Ausgabe des Ottone-Nigro-Preises jene ehren, die ihre Zeit der Pflege eines Zivilinvaliden widmen. Das ist keine Selbstverständlichkeit und auch kein Weg ohne Hindernisse. Deshalb möchten wir all jenen danken, die sich täglich um ihre Mitmenschen kümmern“, erklärt Thomas Aichner.
Sonja Maria Pescosta
Sonja Maria Pescosta kümmert sich um ihre Schwester Evelin, die aufgrund ihrer Erkrankung seit jeher auf Hilfe angewiesen ist. Zudem ist sie seit 2018 ihre gesetzliche Vormundin. „Betroffene und ihre Familienmitglieder stehen oft im Blickpunkt der Gesellschaft und sind auch heute noch mit Unverständnis, Vorurteilen und Kritik konfrontiert. Gerade in der Welt der digitalen Medien, wo jeder perfekt und cool erscheinen möchte, scheint sich diese Situation sogar noch verschärft zu haben“, sagt Sonja. „Ich glaube, es sollte die Pflicht eines jeden sein, Menschen zu helfen, die Unterstützung brauchen, und dazu beizutragen, Menschen eine Stimme zu geben, deren Stimme zu schwach ist.“
Enzo Mosconi
Ein weiterer Preis ging an Enzo Mosconi, der sich um seine Mutter Ester kümmert, die als Zivilinvalidin anerkannt ist. Enzo ist Karatelehrer und setzt sich mit großem Engagement für die Inklusion von Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung im Sport ein. Seine Kurse stehen daher auch Menschen mit Behinderung offen. „Zivilinvaliden zu trainieren, ist für mich sehr bereichernd, und es macht mir große Freude, Zeit mit ihnen zu verbringen. Diese Jugendlichen geben sich große Mühe und haben eine große Lernbereitschaft, oft sogar mehr als Gleichaltrige ohne Beeinträchtigungen“, betont Enzo. „Für mich ist es wichtig, das gesellschaftliche Bewusstsein für Inklusion zu stärken und mich für die Rechte und die Teilhabe von Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung einzusetzen. Bei meiner Trainingsarbeit bemühe ich mich, den Jugendlichen Werte wie Respekt und Einfühlungsvermögen zu vermitteln.“
Klara Sofia Katona
Ebenso ausgezeichnet wurde Klara Sofia Katona, Mutter von Bence, eines 18-jährigen Jungen mit Zivilinvalidität. „Die Diagnose meines Sohnes hat unser Leben von einem Tag auf den anderen verändert: Vollzeit arbeiten, ihn pflegen, Arzttermine organisieren, ihn zu Therapien begleiten, schlaflose Nächte durchstehen und jeden Tag die Kraft finden, den Kampf von Neuem aufzunehmen.“ In ihrem Beitrag erzählt Klara, wie herausfordernd es sein kann, sich um einen Angehörigen zu kümmern und dabei ständig mit der Sorge zu leben, nicht genug zu tun und nicht alles richtig zu machen. „In dieser schwierigen Zeit waren die Unterstützung und die Hilfe der Sozialdienste Südtirols unser Rettungsanker. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel eine angemessene Unterstützung bewirken kann. Sie erleichtert nicht nur den Alltag, sondern schenkt Hoffnung, Kraft und ermöglicht es manchmal sogar, wieder nach vorne zu blicken. Deshalb setze ich mich heute mit großer Überzeugung für Menschen mit Behinderung ein“, betont Klara.
Der Namensgeber: Cav. Ottone Nigro
Namensgeber des Preises ist Cav. Ottone Nigro, der bis zu seinem Tod im Jahr 2003 Präsident der ANMIC Südtirol war. Im Rahmen dieses Amtes machte er es sich über zwei Jahrzehnte lang zur Lebensaufgabe, sich für Südtirols Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung einzusetzen. In Anerkennung seiner Verdienste wurden Ottone Nigro zwei Goldmedaillen für seine Arbeit verliehen (von FIAT und der Handelskammer Bozen). Darüber hinaus wurde ihm der Titel „Cavaliere del Lavoro“ (Arbeitsverdienstorden) verliehen, den jene Bürger erhalten, die sich durch hohe Verdienste in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie, Handel, Tourismus und Dienstleistungen ausgezeichnet haben. Neben seiner beruflichen Tätigkeit hat Ottone Nigro immer großen sozialen Einsatz gezeigt, indem er sich auf verschiedene Weise für die bedürftigsten Menschen einsetzte. So war er zum Beispiel 16 Jahre lang Vizepräsident des Instituts für den geförderten Wohnbau sowie Mitglied im Kirchenrat der Pfarrei St. Pauls von Bozen.
Alle bisherigen Preisträger und weitere Informationen zum Preis finden Sie auf der Seite Ottone-Nigro-Preis.
Bild: Ottone-Nigro-Preis 2026 – ausgezeichnet wurde das Engagement jener, die sich um Südtiroler Zivilinvaliden kümmern (von links nach rechts): Sonja Maria Pescosta, Thomas Aichner (Präsident der ANMIC Südtirol), Bence Havel, Klara Sofia Katona, Giulia Ferrarese (ANMIC Südtirol), Enzo Mosconi.