Spiele und Forschung

von Thomas Aichner

10. April 2015

Wie Spieler und Hobbywissenschaftler der Forschung helfen

Das Internet bietet ein schier unendlich großes Angebot an Spielen, das von allen Altersklassen intensiv genutzt wird. Egal ob die Spieler gegen den Computer antreten oder sich mit anderen Mitspielern aus aller Welt messen, geht es vor allem um Spaß, Zeitvertreib, und möglichst viele Punkte. Unter allen männlichen und weiblichen Internetnutzern spielen 44% regelmäßig online. Von den über 45-jährigen sind es immerhin noch 39%, die im Internet Autorennen fahren, Puzzle lösen, Kreuzworträtsel ausfüllen, Quizfragen beantworten oder Karten spielen.

Wissenschaftler machen sich diesen Spieldrang jetzt zum Nutzen und erforschen mit der Hilfe von 100.000en Freiwilligen aus dem Internet das menschliche Gehirn, um neurologische Krankheiten wie Migräne, Demenz, Alzheimer oder Parkinson besser behandeln zu können. Beim Online-Spiel EyeWire des amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) werden zu diesem Zweck Nervenverbindungen digital dargestellt, die dann für Forschungszwecke verwendet werden. In einer Art 3D-Spiel können Spieler bzw. Hobbywissenschaftler jeweils eines der über 86 Milliarden Neuronen des Gehirns aus zweidimensionalen Mikroskopaufnahmen zusammensetzen. Sobald eine Nervenverbindung von mehreren Spielern übereinstimmend gezeichnet wurde, gilt sie als korrekt und die Teilnehmer erhalten Punkte als Belohnung. Ein einzelner Wissenschaftler müsste die nächsten 50 Millionen Jahre arbeiten, um das Gehirn auf diese Weise zu kartographieren; 24 Stunden täglich.

Die Zusammenarbeit vieler Freiwilliger, die ausschließlich mit Punkten belohnt werden, bietet der Wissenschaft ungeahnte Möglichkeiten. So ist die Erstellung eines 3D-Modells des Gehirns, was noch vor wenigen Jahren als unmöglich galt, heute nicht nur denkbar sondern greifbar nahe. Auf der anderen Seite können sich Personen ohne formale Ausbildung an wissenschaftlichen Aktivitäten beteiligen, die üblicherweise Akademikern oder Experten vorbehalten waren. Unter dem Strich profitieren also sowohl Forscher als auch Spieler, aber vor allem die vielen betroffenen Patienten. Wenn das Gehirn in Zukunft komplett und korrekt kartographiert ist, wird sich die Welt für viele Menschen völlig verändern. Kognitive Störungen wie Depressionen oder Alzheimer könnten eines Tages heilbar sein und Gehirnimplantate könnten zum Alltag gehören.

 

Bild: © EyeWire, www.eyewire.org

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